Im Chaos anbeten

Lobpreis im Alltag. Wie kann das aussehen? Folgenden Artikel schreibt Silas Roth, Musikproduktionsstudent an der SchallWerkStadt 2016/17:

Gerade aufgestanden nach einer kurzen Nacht. Der vergangene Traum hallt noch nach. Schnell verdrängen die Verpflichtungen des anbrechenden Tages alles andere. Das Toastbrot ist leer, der Kaffee schmeckt auch nicht wie er sollte. Der Briefträger hat meine Zeitung wohl schon wieder vergessen. Elf neue Nachrichten und fünf neue Mails. Das geplante Projekt soll ein anderes Ziel verfolgen. Die Bibel neben dem Frühstückstisch hätte ich fast vergessen, aber jetzt ist es auch zu spät, der Bus kommt in fünf Minuten.

Kommt dir das bekannt vor? So oder so ähnlich sieht zumindest mein Morgen manchmal aus. Von außen betrachtet: meckern auf höchstem Niveau. Von David lesen wir in den Psalmen über die Bedrängnis, die er erlebt. Nur ist die Gefahr hier real.

Jeden Abend kommen meine Verfolger wieder,
Knurren wie bissige Hunde
Und streifen umher in der Stadt.

Psalm 59, 15

Meine Reaktion: Scheuklappenmodus! Angst verdrängen und den Blick geradeaus. Nicht gerade die beste Art mit Konflikten umzugehen, aber vieles in uns geschieht automatisch. David hört an diesem Punkt nicht auf zu schreiben. Er resigniert nicht, sondern richtet seine Augen auf Gott, auf das, was tief in seinem Herzen verankert ist.

Ich will aber deine Stärke besingen,
Und am Morgen will ich jubeln über deine Gnade.
Denn du wurdest für mich zur sicheren Burg,
Zur Zuflucht am Tag meiner Not.

Psalm 59, 17

Alles um einen herum scheint ausweglos. Doch der Lobpreis verstummt nicht, sondern gerade dann ist es Zeit IHN zu loben und sich seine Versprechen in Erinnerung zu rufen. Wie wertvoll wäre es, wenn wir unser Verhalten dahin trainieren würden, unsere „Augen auf zu den Bergen zu richten“ und nicht zu resignieren. Das erinnert mich an Paulus und Silas, als diese in Philippi das Evangelium verkündeten und kurzer Hand ins Gefängnis geworfen wurden. Sie fingen an Gott zu loben und die Gefängnistüren sprangen auf. 

Die Kraft Gottes entlädt sich hier im Lob seiner Kinder. Die beiden hatten begriffen, wie sie mit schwierigen Situationen umzugehen hatten. Sie vertrauten auf Gott. Und dieser ließ sie nicht im Stich. ER ließ die Gefängniswände erschüttern. Ich weiß nicht, wieso die beiden Apostel anfingen Gott in dieser Situation zu preisen, aber ich denke, dass sie durch ihre Erlebnisse selbst in dieser Situation nicht anders konnten als Gott zu loben. Ob sie ahnten, was sie mit ihrem Lobpreis auslösen würden?

Was denken wir löst unser Lobpreis aus? Was erwarten wir von einer Gemeinde, die sich Sonntags trifft um Lieder zu singen? Diese Frage stellte mir letztens eine Freundin in der Gemeinde. Und hierzu passt doch die Story Josuas vor Jericho…

Er bekommt einen Auftrag und ihm ist klar, dass er diesen ausführen muss. Aber mal ehrlich: still und heimlich um die Stadt marschieren und die Trompeten blasen, das kann doch nichts werden! Die machen sich doch nur zum Affen, könnte man denken. Aber hierin zeigen sie Gehorsam und werden nicht enttäuscht! Wobei es bei der ganzen Sache einzig und allein darum ging, was Gott tut. Dieses Volk kämpfte nicht mit menschlichen Waffen!

Also ist Anbetung eine Waffe, die an uns selber wirkt und zugleich eine Waffe, die auch in der Welt um uns herum wirkt. So wird aus meinem morgendlichen Chaos und durch die Entscheidung, Gott die Ehre zu geben und ihn über meine Probleme zu erheben zwar kein anderer Morgen, doch es verändert sich alles in mir! Nichts hat mehr Relevanz als Gott zu loben. Nichts haben wir heutzutage nötiger, als uns zu beugen, auf die Knie zu gehen, unser Denken verstummen zu lassen und zu bekennen: Gott, du hast immer noch alles in deiner Hand. Ich gebe dir die Kontrolle zurück, die ich meinte zu haben. Dir gebührt die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.